Freitag, 22. Juli 2011

Risikomanagement, Sicherung, Versicherung, Schutz: Alles ein und dasselbe?

  • Risikomanagement in Bezug auf geplante Ziele
  • Schutz einer betrieblichen Immobilie
  • Versicherung gegen Elementarschäden
  • Finanzrisikoprodukte zur Fixierung eines Wechselkurses
Nein! Diese Dinge gehören zwar zusammen, sind aber nicht ein- und dasselbe, sind aber auch nicht immer eindeutig und einfach voneinander abzugrenzen.

Eine klare Abgrenzung ist die folgende:

Risikomanagement sichert das Erreichen zukünftiger (imaginärer) Werte.
Versicherungen und Schutzmaßnahmen sichern gegenwärtige (reale) Werte.
Finanzrisikoprodukte sichern das Erreichen zukünftiger (imaginärer) Werte.

Natürlich lassen sich auch Versicherungen und Schutzmaßnahmen semantisch unter Risikomanagement in Bezug auf zurünftige Werte definieren. Die Sprachregelung ist flexibel.

Freitag, 15. Juli 2011

Risikokennzahlen für Anfänger

Kennzahlen bemessen einen Sachverhalt mit Zahlen. Zu einer Kennzahl gehören eine Definition und ein Messverfahren. Risikokennzahlen sind Kennzahlen für Risiko und bemessen Risiko als virtueller, möglicher Sachverhalt in der Zukunft.

Es gibt -zig Kennzahlen für Risiko, für ein Einzelrisiko oder für ein Ensemble / Portfolio von Risiken, über die bereits Enzyklopädien geschrieben sind.

Eine Kennzahl für ein Risiko einen Fehler betreffend, ist die Risikoprioritätenzahl RPZ aus der FMEA-Methodik (ISO 31010:2009 B13). Hier steht Risikomanagement im Dienst von Qualitätsmanagement.

Zwei Kennzahlen, bzw. ein Kennzahlenpaar für ein Risiko sind die beiden Koordinaten, welche die klassische zweidimensionale Risikomatrix (ISO 31010:2009 B29) aufspannen, die Auswirkung (ISO 31000:2009 2.18) als Kennzahl für den Schaden/Verlust und die Wahrscheinlichkeit als Kennzahl für die Unsicherheit/Ungewissheit (ISO 31000:2009 2.19) korreliert.

Der Auswirkung (ISO 31000:2009 2.18) kommt als Kennzahl für den Bruttoschaden ("worst case scenario") eine besondere Bedeutung bei und proviziert den Gedanken, was geschieht, wenn dieser Bruttoschaden morgen eintritt.

Anstelle der Wahrscheinlichkeit (ISO 31000:2009 2.19) wird häufig die Häufigkeit als Kennzahl für die Unsicherheit genommen (sh. Post vom 25.06.2011).

Gefragt sind oft Kennzahlen für die Gesamtheit mehrerer relevanten Risikopositionen. Diese sind nur in trivialen Fällen eine arithmetische Summe der Einzelrisiken. In realen Fällen sind es statistische Summe, die aus eine Modellannahme der Wahrscheinlichkeitsverteilungen der Einzelrisiken und ihres Zusammenwirkens durch numerische Rechnungen vom Typ Monte Carlo (ISO 31010:2009 B.25) berechnet wird. Die Kennzahl Value-at-risk ist der prominente Vertreter dieser Kategorie. Ich warne davor, diese Kennzahl zu benutzen, ohne sie zu verstehen! (Testfrage: Wie groß ist das Gesamtrisiko bestehend aus einem "großem" Risiko eines Wissensverlusts und einem "kleinen" EUR/CHF-Währungsrisiko?)

Oft wichtiger als eine absolute Kennzahl für ein Einzel- oder ein Gesamtrisiko sind relative Kennzahlen, die es gestatten, Risiken miteinander zu vergleichen, und die es ermöglichen, Änderungen von Risiken zu verfolgen.

Donnerstag, 7. Juli 2011

Steinbeis-Transferzentrum (STZ) Risikomanagement - neue Webseite

Die neue Webseite des Steinbeis-Transferzentrum Risikomanagement ist bei Google gehosted:

https://sites.google.com/site/risikomanagementsteinbeis/home

Der Grund für Google ist einfach: Simplicity als Gegenteil von Complexity!

Sonntag, 3. Juli 2011

Die deutsche und die österreichische Sprache der Norm ISO 31000 ...

Der österreichische Titel (ÖNORM ISO 31000:2010):
"Risikomanagement - Grundsätze und Richtlinien"

Der deutsche Titel (E DIN ISO 31000:2011):
"Risikomanagement - Grundsätze und Leitlinien"

... in den beiden Normtexten kommt es noch "besser" ...

Noch Fragen?

Bitte stellen Sie Ihre Fragen auf deutsch oder auf österreichisch, aber bitte nicht an mich!

Ich habe nur eine Frage:
Ist es ein Risiko, nur entweder die deutsche oder die österreichische Norm zu kennen?

Samstag, 25. Juni 2011

Denkfehler: statistische Wahrscheinlichkeit / zeitliche Häufigkeit oder Frequenz

Die statistische "%"-Denke:

Die statistische Wahrscheinlichkeit des Eintritts eines bestimmten Ereignisses von 16 2/3 % (willkürliches Beispiel) aus einem Ensemble von Ereignissen sagt aus, dass aus einer "sehr großen" Anzahl von Ereignissen "im Mittel" 16 2/3 von 100 Mal dieses bestimmte und erwartete Ereignis eintritt. Diese statistische Wahrscheinlichkeit sagt nichts darüber aus, in welchem Zeitraum diese Ereignisse eintreten. (Das hängt davon ab, wie schnell gewürfelt wird :-) !) Diese statistische Wahrscheinlichkeit sagt nicht aus, dass von den nächsten 100 Ereignissen 16 2/3 Ereignisse definitiv diese bestimmte und erwartete Eigenschaft haben.
(Das Beispiel wird konkret an dem Ereignis Würfeln mit der Erwartung des bestimmten Ereignisses eine bestrimmte Zahl zu würfeln.)


Die zeitliche "f"-Denke:

Die zeitliche Häufigkeit oder Frequenz "2 Mal pro Jahr" (willkürliches Beispiel) des Eintritts eines bestimmten Ereignisses sagt aus, wie oft in einem vorgegebenen Zeitraum dieses bestimmte, und erwartete Ereignis eintritt. Diese zeitliche Häufigkeit oder Frequenz sagt nichts darüber aus, wieviele Ereignisse das gesamte Ensemble umfasst. (Das gesamte Ensemble von Ereihnissen ist für diese Aussage nicht spezifiziert). Die zeitliche Häufigkeit oder Frequenz sagt nichts darüber aus, dass zwischen zwei Ereignissen definitiv ein zeitlicher Abstand von 6 Monaten liegt. Die zeitliche Häufigkeit oder Frequenz sagt nicht aus, dass im nächsten Jahr 2 Ereignisse definitiv eintreten.

Die zwei "Denken" sind ohne weitere Annahmen nicht ineinander umrechenbar. Das ist / wäre ein Denkfehler.

Samstag, 18. Juni 2011

Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ...

... wird es sie auch weiterhin geben:

Die wiederkehrenden Worthülsen zu Risiko:
  • das kalkulierbare / unkalkulierbare Risiko
  • das kalkulierte / unkalkulierte Risiko
  • das beherrschbare / unbeherrschbare Risiko
  • das verantwortbare / unverantwortbare Risiko
  • das tragbare / untragbare Risiko
  • das bekannte / unbekannte Risiko
  • die 100 %ige Sicherheit, die es nicht gibt
  • die Risiken aus der Ungewissheit der zukünftigen Entwicklung
  • no risk no fun
  • zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihren ...
Übrigens: Viele dieser Worthülsen werden als Argumente für oder gegen etwas genutzt. Das sollte nachdenklich stimmen.

Donnerstag, 9. Juni 2011

ISO 31000: Keine Anforderungen sondern Empfehlungen

Es ist eines der großen und aktuellen Missverständnisse, dass die Norm ISO 31000 Anforderungen stellt!
  • Die Norm ISO 31000 gibt Empfehlungen!
Zur Erinnerung: Die Norm ISO 9001 stellt Anforderungen!
Anforderungen stellen und Empfehlungen geben sind etwas ganz Verschiedenes:
  • Gestellten Anforderungen muss man entsprechen.
  • Gegebenen Empfehlungen sollte man folgen.
Der Unterschied wird klar, wenn man prüft, was die Folgen sind, wenn man gestellten Anforderungen nicht entspricht bzw. gegebenen Empfehlungen nicht folgt.



Semantik in Normen der ISO

Verbindlichkeit

Ausdruck
Beispiel
englischdeutschenglischdeutschNorm
requirementAnforderungshallmussISO 9001
recommendationEmpfehlungshouldsollteISO 31000

Tabelle


Natürlich kann ein Stakeholder die Anforderung stellen, dass ein Unternehmen ein Risikomanagement "entsprechend" der Norm ISO 31000 betreibt, und einen Nachweis verlangen. Dann wird es richtig interessant! Da gibt es mehrere Möglichkeiten ... .